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Fit in den Herbst

Fit in den Herbst, lsantilli - 123RFMit leckeren Kraftsuppen und stärkenden Kuren

Nachdem im Sommer (Feuer-Element) das Yang in der Natur seinen Höhepunkt erreicht hat, beginnt nach einer 18-tägigen Übergangsphase (Erde-Element) mit dem 18. August nach dem chinesischen Mondkalender der Herbst.

 

Dieser erstreckt sich über 73 Tage und wird nach den fünf Wandlungsphasen dem Metall-Element zugeordnet. Der 23. September (die Herbst-Tagundnachtgleiche) bildet die Mitte des Herbstes – hier hat die Metall-Energie in der Natur ihren Höhepunkt erreicht.

Die Erde-Übergangszeit dient dem Organismus, sich an den energetischen Wandel zwischen Sommer (großes Yang) und Herbst (kleines Yin), der den gesamten Kosmos durchdringt, anzupassen. Diese Zeit ist besonders geeignet für Kuren.

 

Was passiert im Herbst?

Der Herbst wird in der chinesischen Philosophie dem Metall-Element zugeordnet. Die Energie, vor allem das Yin, zieht sich zurück und die klimatische Zuordnung entspricht der Trockenheit.

„Das Yin zieht sich zurück und das Yang tritt an die Oberfläche.“

Im Gegensatz zum Sommer (großes Yang), wo ein Überschuss, eine Fülle an Yang (Hitze) besteht, ist im Herbst die primäre Ursache ein Rückzug, eine Schwäche an Yin (der Essenz), die eine aufsteigende Bewegung des Yang zur sekundären Folge hat.

In der Natur lässt sich dies gut erkennen: das Yin (die Essenz) der Bäume und Pflanzen zieht sich in das Yin (den Stamm) zurück. Die Oberfläche (die Blätter) „trocknen aus“ (Yang). Dies kann man an den „yangigen“ Farben der Blätter im Herbst erkennen (rot, orange, braun).

Auch beim Menschen zieht sich im Herbst das Yin (die Essenz) in das Yin (die Nieren) zurück. Aus den Lungen die dem Metall-Element zugeordnet sind, tritt die Abwehr-Energie (Wei Qi) vermehrt an die Oberfläche des Körpers. Das bedeutet, dass wir im Herbst eine erhöhte Konzentration an Abwehr-Energie an der Oberfläche haben, die dazu dient, uns vor äußeren klimatischen Einflüssen zu schützen. Für TCM-Therapeuten ist es wichtig zu wissen, dass dies der Grund ist, weshalb der Puls im Herbst klassischer Weise eine oberflächliche Qualität aufweist (Fu Mai).

 

Die Herbstkur

Wenn im Sommer zu viel kalte Speisen wie Rohkost, Milchprodukte oder Eiscreme verzehrt wurden, kann es zu einer Ansammlung von Feuchtigkeit und Kälte im Verdauungstrakt kommen. Diese „Fülle“ in Dickdarm und Magen zieht rückwirkend Energie aus den Lungen, die aus Sicht der TCM für unser Immunsystem zuständig sind. Dadurch wird der Körper anfällig für Erkältungskrankheiten. Um unsere Abwehr-Energie für die kalte Zeit des Jahres zu stärken und zu schützen, sollte diese deshalb mit einer Getreidekur ausgeleitet werden.

 

Wie funktioniert eine Getreidekur?

Traditionell wird eine Kur in der Erde-Übergangszeit durchgeführt. Der 23. September (Tagundnachtgleiche) bietet zeitlich aber eine sehr gute Alternative, da hier die Herbstenergie ihren Höhepunkt erreicht hat.

Es gilt zu beachten dass eine Kur für Kinder, Schwangere, Untergewichtige und Patienten mit Mangelerscheinungen nicht geeignet ist! Die Dauer richtet sich nach der Konstitution und liegt klassisch zwischen 3 und 12 Tagen. Während einer Getreidekur darf soviel von dem jeweiligen Getreide gegessen werden wie man möchte. An Getränken empfiehlt sich ausschließlich warmes abgekochtes Wasser oder die jeweilige westliche Teeempfehlung.

Bei großer Erschöpfung oder Unsicherheit bezüglich der Durchführung halten Sie bitte Rücksprache mit einem TCM-Therapeuten!

 

Reiskur

Reis wird dem Metall-Element zugeordnet und wird in China deshalb traditionell für die Herbst-Kur empfohlen. Aber Achtung: Reis wirkt thermisch kühlend und ist nicht für jedermann geeignet! In unseren Breitengraden leiden viele Menschen eher an innerer Kälte und Nässe, mit Symptomen wie Übergewicht, niedrigem Blutdruck, Trägheit, kalten Extremitäten und einer breiten, blassen Zunge mit Zahnabdrücken. Hier muss die modifizierte Form der Reiskur durchgeführt werden, um den kühlenden Aspekt auszugleichen. Eine Alternative bei diesem Zustandsbild ist eine Hirsekur (siehe nächste Seite).

Die klassische Reiskur eignet sich vor allem für Menschen mit Feuchtigkeit und Hitze im Verdauungstrakt. Die Zunge sollte rötlich und dick gelblich, fettig belegt sein. Häufige Beschwerden sind zum Beispiel entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulzerosa, Akne oder nässende Hautbeschwerden. Durch das Ausleiten der Feuchten-Hitze aus dem Verdauungstrakt, werden rückwirkend die Lungen und damit die Abwehrkraft des Körpers gestärkt.

Klassische Reiskur bei innerer Nässe-Hitze:

1/3 Vollkornsüßreis und 2/3 Vollkornrundkornreis im heißen Topf anrösten bis es duftet und dann mit der doppelten Menge Wasser (ohne Salz oder Gewürze) kochen bis es gar ist.

Westliche Teemischung:

  • Klettenwurzel 30 g
  • Süßholz 3 g
  • Löwenzahnkraut 18 g
  • Stiefmütterchen 14 g
  • Lindenbast 20 g
  • Eisenkraut 12 g
  • Maishaare 14 g

Die Grammangaben entsprechen einer Tagesdosis und sollten mit 1 Liter Wasser 5 Minuten aufgekocht und über den Tag verteilt getrunken werden.

 

Modifizierte Reiskur bei einer leichten Form innerer Nässe

1 Teil Vollkornsüßreis im heißen Topf anrösten bis es duftet, dann eine dicke Scheibe frischen Ingwer hinzufügen und mit 2 Teilen Wasser (ohne Salz) kochen bis es gar ist.

Westliche Teemischung:

  • Fenchelsamen geröstet 9 g
  • Kümmelfrüchte geröstet 6 g
  • Schafgarbe 6 g
  • Orangenschale 6 g
  • Koriander 6 g
  • Liebstöckel 14 g
  • Kardamom 3 g (nicht mitkochen, nur aufbrühen)
  • Wacholderbeeren 3 g
  • 1 Nelke
  • Süßholz 3 g

Die Grammangaben entsprechen einer Tagesdosis und sollten mit 1 Liter Wasser 5 Minuten aufgekocht und über den Tag verteilt getrunken werden.

Dieser Tee wärmt das Yang und wandelt innere Feuchtigkeit um. Er kann begleitend zur Kur getrunken werden.

Achtung: dieser Tee ist nicht geeignet bei einer roten, rissigen Zunge ohne Belag!

 

Hirsekur

Diese Kur bietet eine sehr gute Alternative zur modifizierten Reiskur bei Symptomen von innerer Nässe-Kälte oder Schleim-Kälte (siehe oben). Hirse trocknet innere Feuchtigkeit und wirkt angeröstet leicht erwärmend. Die Zunge sollte bei dieser Kur breit und blass mit Zahnabdrücken sein. Typische Symptome sind zum Beispiel Völlegefühl und Müdigkeit nach den Malzeiten, Cellulitis oder auch Neigung zu Ödemen.

Das Getreide wird im heißen Topf angeröstet bis es duftet und dann mit der doppelten Menge Wasser (ohne Salz oder Gewürze) gekocht bis es gar ist.

Wenn viel innere Kälte vorhanden ist, kann eine Scheibe frischer Ingwer mitgekocht werden.

Begleitend kann die westliche Teemischung der modifizierten Reiskur getrunken werden.

 

Die richtige Ernährung im Herbst – so stärken Sie Ihre Essenz!

Im Herbst sollten Sie beginnen Ihre Essenz (Yin) zu nähren und so die Abwehrkraft über eine gute Ernährung zu stärken. Kochen im Drucktopf und Aufläufe sind Zubereitungsarten, die dem Metall-Element zugeordnet werden und eignen sich somit sehr gut für diese Jahreszeit.

Wildfleisch: Herbst ist Jagd-Saison! Aber nicht nur deshalb ist Wildfleisch das Fleisch des Herbstes, sondern vor allem, da es durch seine trocknende Qualität dem Metall-Element zugeordnet wird und erwärmend wirkt. Vom Hirsch bis zum Fasan: gönnen Sie sich in dieser kühlen Jahreszeit auch mal ein deftiges Fleisch-Gericht! Wegen der trocknenden Eigenschaften von Wild, eignet es sich hervorragend zum Kombinieren mit etwas Süßem, Befeuchtendem, wie zum Beispiel Fruchtkompott, Birnen oder Preiselbeeren.

Trockenfrüchte und Nüsse: sind gute Energie- Träger für den kleinen Hunger zwischendurch und können so manches Stück Schokolade ersetzen. Trockenobst (ungeschwefelt) nährt das Blut und Nüsse stärken die Essenz.

Dies sollten Sie vermeiden: der scharf-heiße Geschmack schädigt das Yin und trocknet die Körperflüssigkeiten aus. Versuchen Sie deshalb den Verzehr von Gewürzen wie Chili, getrocknetem Ingwer, Yogi-Tee und Alkohol zu minimieren.

 

Kraftsuppen – so  stärken Sie Ihre Abwehrkraft!

Ab der zweiten Hälfte des Herbstes sollte man seinen Körper und sein Immunsystem mit Kraftsuppen stärken. Das lange Kochen steigert die Resorptionsfähigkeit des Verdauungstraktes, wärmt auf und ist sehr wichtig für die Wirksamkeit der Suppe. Wenn möglich, sollten Sie die Wirkung durch Zugabe von chinesischen Kräutern aus speziellen Apotheken noch steigern.

 

Grundrezept Kraftsuppe:

Zutaten:

  • Fleisch: je nach klinischem Bild
  • Flüssigkeit: 4 – 5 Liter Wasser
  • Gewürze: Salz, 3 Lorbeerblätter, ein kleines
  • Stück frischer Ingwer, 1 Bund Petersilie
  • Gemüse: 2 – 3 Möhren, 1 Karto el, 1 – 2 Peter-
  • silienwurzeln, 1 Zucchini, 1 Kohlrabi

Zubereitung:

Das Fleisch entfetten und mit dem Gemüse und den Gewürzen in 4 – 5 Litern kaltem Wasser zum Kochen bringen. Nach dem Aufkochen sollte alles auf kleiner Flamme ca. 4 Stunden lang köcheln. Wenn Sie chinesische Kräuter hinzufügen möchten, sollten Sie nun ein dünnes Stoffsäckchen mit den Kraftsuppenkräutern noch 30 Minuten mitkochen. Eine Scheibe frischen Ingwer dazu geben. Nach 30 Minuten den Topf vom Herd nehmen und alles abkühlen lassen. Wenn die Suppe erkaltet ist, die gesamte Flüssigkeit durch ein Sieb filtern.

Die Kraftsuppe kann nun erneut aufgewärmt werden und nach Belieben mit einem Eigelb, etwas Getreide und frischem Gemüse verfeinert werden. An heißen Sommertagen sollte die Kraftsuppe im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Es sollten täglich zwei Schalen von der Suppe getrunken / gegessen werden.

 

Wachtel-Kraftsuppe

Die Wachtel ist das Ginseng des Fleisches! Kein Tier tonisiert mit solch einer Intensität unsere Energie wie dieses. Gut geeignet sind auch Wachteleier. Das Eigelb kann beim zweiten Aufkochen hinzugefügt und mitgegessen werden. Eine günstigere Alternative ist eine Rindfleisch-Kraftsuppe. Typische Symptome eines „Qi-Mangel-Syndroms“ sind niedriger Blutdruck, starke Erschöpfung und Kraftlosigkeit, kalte Extremitäten, Neigung zu Wasseransammlungen in den Beinen und Depressionen. Die Zunge ist hier kurz, blass, kraftlos und feucht.

Kräuterzusatz: Huang Qi (Radix Astragali) 12 g, Shan Yao (Rhizoma Dioscorea) 14 g, Gou Qi Zi (Fructus Lycii) 12 g, Fu Ling (Poria Cocos) 9 g

 

Hühner-Kraftsuppe

Hühnerfleisch nährt das Blut und die Nieren- Essenz (Jing). Diese Suppe ist gut geeignet bei Blut-Mangel Erscheinungen wie Blutarmut, niedrigem Blutdruck, Haarausfall, Lichtempfindlichkeit, spärliche Menstruation, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen. Die Zunge ist schmal, dünn, blass und kurz.

Kräuterzusatz: Dang Gui (Radix Angelicae Sinensis) 14 g, Huang Qi (Radix Astragali) 30 g, Bai Shao Yao (Radix Paeoniae Alba) 14 g, Chuan Xiong (Rhizoma Ligusticii) 14 g , Da Zao (Fructus Jujubae) 3 Stück, He Shou Wu (Radix Polygoni Multiori) 18 g, und frischer Ingwer (Sheng Jiang) 2 Scheiben

 

Ingwertee – so halten Sie Erkältungskrankheiten fern!

Frischer Ingwer ist scharf und wirkt schweißtreibend. Im Anfangsstadium einer Erkältungskrankheit ist dies gut, da so die Poren an der Körperoberfläche geöffnet werden und der Erreger buchstäblich ausgeschwitzt wird.

Achtung: dies gilt nur für den Beginn einer Erkältung, wenn typische Symptome wie Schüttelfrost, Abneigung gegen Kälte, Nackensteifheit und leichtes Fieber vorhanden sind. Bei hohem Fieber, starkem Durst und Schwitzen, sowie jeglicher Art von infektiösen Erkrankungen (Mandelentzündung usw.) dürfen Sie diesen Tee nicht mehr trinken und sollten für eine individuelle Kräutertherapie einen TCM-Therapeuten aufsuchen!

 

Ingwertee:

  • 3 dicke Scheiben frischer Ingwer
  • Süßholz 6g
  • 3 – 6 Datteln (rot)

Die Grammangaben entsprechen einer Tagesdosis und sollten mit ½-1 Liter kochendem Wasser überbrüht und über den Tag verteilt getrunken werden.

Mehr zum Thema in „Das Geheimnis der gesunden Mitte: Ernährung für Gesundheit und Wohlbefinden„.

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Foto: © lsantilli – 123RF

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